Lutherkirche

 
Willkommen in der Lutherkirche
Die Kirche wurde 1907 von dem jungen Architekten Martin Elsässer im Jugendstil erbaut. Mehr Informationen über ihn und das Kirchengebäude finden Sie unter: www.martin-elsaesser.de/projekte/lutherkirche-in-baden-baden-lichtenthal/
 
Die Kirche ist ein überraschend großes und imposantes Gebäude, wenn man bedenkt, dass die Evangelische Gemeinde um die Jahrhundertwende klein war. Das passt zu der Persönlichkeit, nach der die Kirche benannt ist: dem großen Reformator Martin Luther. Vor dem Gebäude steht eine mächtige Eiche. Der Baum kränkelt und seine Zukunft ist ungewiss, aber noch spendet er an warmen Tagen Schatten, bietet Besuchern und Spaziergängern einen Platz zum Ausruhen und Kindern einen Platz zum Spielen unter seiner weiten Baumkrone.
 
Das historische Kloster Lichtenthal befindet sich gleich auf der anderen Straßenseite. Seit vielen Jahren pflegen die katholische und die evangelische Gemeinde sehr gute und fruchtbare Beziehungen. Dazu gehört auch, dass uns das Grundstück für den Bau der Kirche, damals vom Kloster zur Verfügung gestellt wurde.
 
Wenn Sie Zeit haben, schauen Sie sich doch mal die Kirche von außen an. Die beiden imposanten Kirchtürme beherbergen zusammen sechs Glocken. Die Glocken rufen die Gemeinde zum Gottesdienst und sollten in früheren Zeiten auch böse Geister abwehren. Heute sind die Türme Schutzraum und Brutplatz für Falken und eine seltene Fledermausart.
 
Wenn Sie die Kirche betreten
 
Die Kirche ist ein Ort für alle Menschen, fühlen Sie sich herzlich willkommen, wenn Sie eintreten. Am Eingang finden Sie Informationen über das Leben der Gemeinde. Bedienen Sie sich! Es gibt auch ein Besucherbuch, in das Sie Gedanken und Gebetsanliegen eintragen können.
 
Nehmen Sie sich Zeit, um sich umzusehen und die Atmosphäre der Kirche auf sich wirken zu lassen. Unsere Kirche ist in Blau- und Rottönen gehalten. Das Blau symbolisiert den Himmel und das Rot die Erde. Hier ist ein Ort, an dem sich Himmel und Erde treffen. Die Kirche lädt zum Gebet ein. Es ist ein Ort der Ruhe und des Nachdenkens über das eigene Leben und das der Welt.
 

Martin Elsässer hat das Innere der Kirche anhand eines traditionellen kirchlichen Bildes konzipiert: 
die Kirche als Boot im Meer. Dies bezieht sich auf die Geschichte im Evangelium, in der Jesus sowohl das tobende Meer als auch die Ängste der Jünger im Boot beruhigt. Etwa auf halber Höhe der Wände, wo Holz auf Stein trifft, ist ein rotes Band zu sehen. Das ist die Reling des Schiffes. Die Blau- und Silbertöne der Wände verstärken den Eindruck, dass wir uns auf dem Meer befinden. Anstelle der gewöhnlich geformten Kirchenfenster gibt es ovale Bullaugen. An den Rückwänden der Kirche sieht man Fische, die sich im Wasser tummeln.
 
An der Vorderseite der Kirche ist der Altarraum mit Chorraum und Altar in der Mitte und der Kanzel auf der linken Seite, das Ganze einem Schiffsbug nachempfunden. Der Eindruck, auf dem Meer zu sein, wird durch den Sternenhimmel über dem Altar noch verstärkt.
 
So wie Jesus den Sturm beruhigte und die Ängste der Jünger beschwichtigte, sollen sich auch die Besucher heute in der Lutherkirche in Lichtental geborgen und zugehörig fühlen.
 
Im Mittelgang, auf halbem Weg zum Altar
 
Wenn Sie in im Mittelgang stehen, geht Ihre Aufmerksamkeit ganz selbstverständlich in Richtung Altarraum, aber nehmen Sie sich noch etwas Zeit und blicken Sie hinter sich. Im hinteren Teil des Kirchenschiffs erhebt sich die Empore, wie der hintere Aufbau eines alten spanischen Galeerenschiffs.
 
Sie ist mit drei so genannten "Grisaillen" - wegen ihrer grauen Farbe - des Künstlers Eduard Pfennig geschmückt, die im Jugendstil Geschichten aus dem Leben Jesu erzählen. Es beginnt rechts mit dem Kindermord in Bethlehem und der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. In der Mitte stehen die drei Kreuze von Golgatha, flankiert von Trauernden. Auf der linken Seite zieht Jesus in Jerusalem ein, misstrauisch verfolgt von den Priestern und Schriftgelehrten. Palmwedel, die Triumph, Frieden und ewiges Leben symbolisieren, und der Esel, der die Gottessohnschaft Jesu symbolisiert, verbinden die rechte und die linke Szene. Martin Luther, nach dem die Kirche benannt ist, steht rechts von den Kreuzen im mittleren Bild.

Wenden Sie nun Ihren Blick auf die Gemälde in der oberen Hälfte der Kirchenwände. Über der Tür, die in die Empore führt, erzählt ein großes Gemälde von Eduard Pfennig die Geschichte von der Auferweckung der Tochter des Jairus aus dem Evangelium. Das 12-jährige Mädchen ist krank, Jesus verspätet sich und stellt bei seiner Ankunft fest, dass sie gestorben ist. Jesus lässt sich nicht beirren und erweckt sie wieder zum Leben - ein Akt der Liebe Gottes und ein Symbol für die kommende Auferstehung.
 
 
An der linken und rechten Wand befinden sich große Wandgemälde, die die "Sechs Werke der Barmherzigkeit" darstellen. Sie wurden von der Künstlerin Käthe Schaller-Härlin 1910 gemalt. Sie gilt als Pionierin für Frauen in der Kunstgeschichte. Von links nach rechts sind die Taten der Barmherzigkeit folgende: Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Durstigen zu trinken geben, Fremde aufnehmen, Nackte bekleiden und Hungrige speisen. Die Bilder spiegeln das Wort Jesu wider, das am Ende des Matthäus-Evangeliums steht: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan". Sie erinnern uns daran, dass unser Glaube genauso viel damit zu tun hat, wie wir handeln, wie damit, was wir glauben.
 
Der Altarraum mit Sternhimmel
Wenn man vom Altar aufblickt, steht man unter dem Sternenhimmel der Lutherkirche, einem ihrer beliebtesten Merkmale. Er erinnert uns an die Verheißung Gottes an Abraham im Buch Genesis. Da heißt es, dass er so viele Nachkommen haben werde wie Sterne. Gott sagt zu ihm: "Ich will dich segnen und du sollst ein Segen für andere sein". Von hier aus, am Ende des Gottesdienstes, empfängt die Gemeinde Gottes Segen.
 
Sie werden feststellen, dass die Vorderseite des Altars hohl ist. Sie symbolisiert das leere Grab und erinnert uns daran, dass Jesus Christus auferstanden ist, dass unser Erlöser lebt.
 
Eine symbolische Linie zieht sich durch die Mitte der Kirche: von der Kreuzigungsszene auf dem Glasfenster über dem Chorgestühl, über das Kreuz, das sonntags auf dem Altar steht, über das Kreuz Jesu in der Mitte der Grisaillen auf der Empore bis hin zum Auferstehungsbild von Eduard Pfennig. Die Linie verbindet die Kreuzigung und die Auferstehung - Karfreitag mit Ostern, Tod mit neuem Leben, Schmerz und Leid mit Hoffnung und Freude. Sie erinnert uns daran, dass der christliche Glaube mit den Realitäten des Lebens und der Verheißung der Zukunft verbunden ist.
 
Die Kanzel
Auf der rechten Seite der Kanzel befindet sich ein Engel, der ein Spruchband hält. Die Skulptur von Karl Albiker erinnert uns an die Weihnachtsbotschaft. Der Engel sagt: "Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren soll. ... Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Dies ist die Verkündigung des Wortes Gottes, die immer wieder von der Kanzel aus wiederholt werden soll.





Taufkapelle
 
In dieser Seitenkapelle wurden regelmäßig Taufen gefeiert. Heute wird sie hauptsächlich als Raum der Stille genutzt: ein Raum der Ruhe, in dem man eine Kerze anzünden und in Stille beten kann. Das Taufbecken ist oft mit einer Ikone und einigen gedruckten Gebeten geschmückt, um das Gebet zu unterstützen. Nehmen Sie sich die Zeit, einfach nur zu sitzen, zu atmen, in Gottes Gegenwart zu kommen, vielleicht ein Dankgebet für etwas Gutes in Ihrem Leben zu sprechen oder Ihre Sorgen, Ihren Ärger oder Ihr Leid mit Gott zu teilen. Seien Sie sicher: ER hört zu.
 
Unter der Orgelempore
 
Unter der Orgelempore befindet sich an der Wand ein großes ehemaliges Altarkreuz aus der Lutherkirche. Es wurde durch ein kleineres Altarkreuz ersetzt, das die Schwestern der benachbarten Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt haben (aufgrund von Vandalismus kann das Altarkreuz leider nur während der Gottesdienste aufgestellt werden). Neben dem großen Kreuz steht ein Kerzenbaum. Hier können Sie als Besucher ein Teelicht anzünden, sich an einen geliebten Menschen erinnern oder ein Gebet sprechen.
 
Die Orgel, die kaum sichtbar ist, wurde 1860 von Philipp Furtwängler erbaut und zuletzt 2023 renoviert. Neben den Gottesdiensten werden die Orgel und der Konzertflügel auch für die zahlreichen Konzerte und kulturellen Veranstaltungen in der Lutherkirche genutzt.
 
Vielen Dank und kommen Sie wieder
 
Wir hoffen, dass Ihnen Ihr Besuch in der Lutherkirche gefallen hat. Sie ist ein Ort, der die Sinne anspricht und in dem die Hoffnungen und Gebete vieler Menschen Platz gefunden haben. Da sich die religiöse Landschaft in Deutschland verändert, ist es schwierig vorherzusagen, was aus vielen unserer schönen Kirchen werden wird. Die Lutherkirche jedoch steht fest in Erinnerung an Gottes unerschütterliche Gegenwart und Liebe.