Michaelskapelle Ebersteinburg

                     
 
 

Zum 50jährigen Jubiläum:

„Horst Linde - Architekt des Wiederaufbaus“

Horst Linde, geboren in Ebersteinburg, gehörte zu den Vertretern des „Brutalismus“. So entwarf er die Neue Ludwigskirche in Freiburg,die evangelische Johanneskirche in Bad Dürrheim, die Michaelskapelle Ebersteinburg und das Bundesgästehaus auf dem Petersberg. In Stuttgart war er verantwortlich für das Haus des Landtags, den Wiederaufbau des Neuen Schlosses und die Württembergische Landesbibliothek. Auch die Gestaltung des Innenraums der Karlsruher Stadtkirche (nach der Zerstörung im 2.Weltkrieg) gehörte zu seinen Werken.

In Ebersteinburg, einem Nebenort der Lukasgemeinde Baden-Baden (Altstadt), lebten in den 50er Jahren 150 Evangelische. Ihre Gottesdienste, die im Bürgersaal, einem Klassenzimmer der Grundschule, stattfanden, wurden auch von Gästen des Sanatoriums besucht. Als der Ort durch Ansiedlungen rasch wuchs, faßte der Sprengelrat 1960 den Beschluß zum Bau einer Kapelle. Die Bereitschaft zur Unterstützung durch Spenden war groß. Im Herbst 1965 wurde das Grundstück von der damals noch selbständigen Ortsgemeinde Ebersteinburg erworben. In einem Wettbewerb wurde der Entwurf von Prof. Dr. h.c. Horst Linde einstimmig gewählt. Baubeginn war im August 1967. Die Bauleitung lag in den Händen von Dipl.ing. Karlsiegfried Keppeler.
 
Pfarrer Hans Martin Siehl schrieb an die Architekten des Wettbewerbs:
„Der Bau der Kapelle - das Baugrundstück liegt auf der Grenze zwischen dem alten und neuen Bebauungsgebiet - soll dazu beitragen, daß die evangelische Gemeinde durch ihr Gotteshaus mehr zusammenwächst.“
Der Raum sollte zum Ausdruck bringen, daß sowohl durch die Predigt, wie auch durch das Abendmahl Glauben geweckt und Gemeinschaft gebildet werden.
 

Quelle: Stadtkirchengemeinde Baden Baden

Dieser Aufgabenstellung folgte Prof. Linde mit seinem Entwurf. Er gestaltete einen hohen Raum, der zum Verweilen einlädt. Die gefalteten Wände in rauhem Holz geben einen warmen, sammelnden Eindruck. Das Licht fällt auf den Altarraum. Altar, Kanzel, Taufbecken und die Details der Inneneinrichtung, die ebenfalls von Horst Linde entworfen sind, stehen in Beziehung zum Kapellenraum und seiner Bestimmung.   
 
 
 
 
 

Quelle: Stadtkirchengemeinde Baden Baden

 

Quelle: Stadtkirchengemeinde Baden Baden

          
 

Quelle: Stadtkirchengemeinde Baden Baden

Der Kruzifixus wurde von dem jugoslawischen Künstler Stipo Pranjko geschaffen (1973).
Die Gestalt des Gekreuzigten aus zusammengeschweißten Eisenstücken, die zur völligen Öffnung hin betonte Brustwunde, das hilflose Hängen sind Ausdruck totaler Aufopferung.
Stipo Pranjko schreibt: „Die weit ausgestreckten Arme symbolisieren die Weltumarmung. Die Hände haben dabei eine verschiedene Haltung. Eine Hand deutet auf die Erde,
die andere zum Himmel, und so bilden sie zusammen eine Brücke, in deren Mitte das Zeichen der Liebe - die geöffnete Brust - steht.“
Die Inschrift INRI steht zu Füßen Jesu. Über dem Kruzifixus spannt sich das helle Kreuz aus, das durch die Linien der tragenden Fäden gebildet wird.
 

Quelle: Stadtkirchengemeinde Baden Baden

Zwei kleine Glasfenster des Künstlers Rolf Nesch (1893 - 1975) stellen den Erzengel Michael dar.
Das sogenannte „Kinderfenster" - es soll die Kinder mit der Gestalt des Engels vertraut machen - trägt wie ein Suchbild den Satz „Ich bin der heilige Michael".
 
 
  
 
 
Die Orgel wurde 1972 von der Firma Ernest Muhleisen in Straßburg erbaut. Sie hat l Manual mit geteilten Schleifen, 6 Registern und angehängtes Pedal.
In der Kapelle finden regelmäßig Konzerte mit solistischen und kammermusikalischen Werken aus allen Stilepochen statt.
Die Konzerte werden von Mitgliedern der Gemeinde und Gästen gestaltet.
 
 

Quelle: Stadtkirchengemeinde Baden Baden

 Ein freier Glockenträger vor der Eingangstür trägt eine Glocke aus der Glockengießerei Bachert, Karlsruhe.
Sie ist auf den Ton as" gestimmt und wiegt 70 kg.
Die Inschrift am unteren Glockenrand lautet:
„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." Matthäus 28,20
 
 
 
 
 
 

Quelle: Stadtkirchengemeinde Baden Baden

Aus der Urkunde im Grundstein der Michaelskapelle:
„Mit Dankbarkeit schauen wir auf die vergangenen Jahre zurück, in denen GOTT unserer Gemeinde den Weg zum Bau dieser Kapelle gebahnt hat. ER hat uns viele fröhliche Geber und willige Helfer gegeben. ER hat die Kraft geschenkt, alle Schwierigkeiten zu überwinden, in allen Zweifeln und Bedenken zu einer Lösung zu kommen.
Darum wollen wir ihn bitten, daß ER in JESUS CHRISTUS Grundstein und Fundament seiner Gemeinde bleibe, wenn sie sich hier an diesem Ort und in aller Welt unter seinem Namen versammelt."
 

Quelle: Stadtkirchengemeinde Baden Baden

Am 23. Mai 1968 ist die Evangelische Michaelskapelle Ebersteinburg feierlich eingeweiht worden. Im Jahr 2008 jährt sich dieser Tag zum 40. Mal. Am 01.06.2008 hat die Evangelische Lukasgemeinde mit einem Festgottesdienst , mit einem anschließenden Gemeindefest und mit einem Kammerkonzert an die Einweihung der Michaelskapelle vor 40 Jahren erinnert. Zu dem Fest waren außer den beiden früheren Pfarrern Dieter Schneider und Robert Krimm auch der inzwischen 96-jährige Architekt Prof. Dr. Horst Linde aus Freiburg gekommen.
 

Kleinorgel der Firma Muhleisen (Strasbourg) 

Eine Kleinorgel für die Michaelskapelle in Ebersteinburg wurde von der Firma Mühleisen im Frühjahr 1972 gebaut. Sie bekam ein Manual mit angehängtem Pedal (dies bedeutet keine eigenen Pedalregister), mechanischer Spiel- und Registertraktur, geteilter Lade und sechs klingenden Registern.
Die Windladen sind geteilt in Bass- und Diskantbereich, das ermöglicht ein klanglich differenzierteres Spiel, als ob der Organist auf zwei Manualen spielen würde. Diese Technik ist auch aus dem Orgelbau in Italien und Spanien bekannt.
 
Disposition auf beiden Laden:
  • Gedackt 8’
  • Rohrflöte 4’
  • Prinzipal 4’
  • Waldflöte 2’
  • Sesquialtera
  • Mixtur 3fach
 

Quelle: Christusgemeinde Baden-Baden